Pow-wow: Symbiosen von scheinbar Unvereinbarem

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Bericht aus dem Langenthaler Tagblatt:

Auch in seiner dritten Auflage überraschte und begeisterte der Powwow Oberaargau zahlreiche Künstler und Zuschauer.

Die Vorfreude auf das in der Eishalle Schoren Bevorstehende stieg von Minute zu Minute. Als der Raum sich stufenweise abdunkelte und stattdessen blaues Scheinwerferlicht seine Muster auf den Hallenboden zu zeichnen begann, verstummte das Geraune. Die Blicke wandten sich ausnahmslos zur Hallenmitte, wo während der folgenden zwei Stunden Überliefertes mit Zeitgemässem verbunden, Bekanntes sich zu Neuartigem finden und Erwartetes auf Überraschendes treffen würde.

Besagte Gegensatzpaare fanden sodann ab der ersten Darbietung ihren Ausdruck: Die Schrittfolgen und Figuren der jungen Eiskunstläuferinnen der Cool Dreams Burgdorf – hier für einmal zu Fuss und auf Inlineskates unterwegs – ergaben sich aus dem von der Gymo Big Band vorgegebenen Takten: Laufformationen bewegten sich im Rhythmus, Hebefiguren entsprachen den Saxofonsoli und Sprünge erfolgten präzise auf den Schlag. 

Credo des Pow-wow

Der rote Faden des Verbindens von scheinbar Gegensätzlichem prägte insbesondere auch die nächste Formation, innerhalb deren karibischer Sound der hiesigen «Fassduubeli» auf Country Linedance der «Blackboots» Wynau traf. Solche Begegnungen sind der Sinn des Powwow Oberaargau, der am Samstag zum dritten Mal stattfand. Dahingehend sind Namen und Inhalt einstigen Treffen indianischer Stammesgesellschaften entlehnt, wobei jeweilige Eigenheiten und Charakteristika auf Gegensätzliche trafen und sich im Rahmen des Festes zu neuen Einheiten vermischten.

Eben jenem Credo, das fernab jeglicher Berührungsängste mit Neuartigem liegt, folgte indes die Musikgesellschaft Roggwil in Zusammenarbeit mit dem Turnverein Roggwil. Auf das erwartungsgemäss förmliche von Marschmusik und Trommelgewirbel begleitete Einmarschieren wechselte sich eine Überraschung mit der anderen ab. Die Klänge des Titelsongs aus der «Fluch der Karibik»-Reihe übertrugen sich nicht nur auf die gegen Wellen und Befeindete ankämpfenden Piraten, sondern gleichsam auf den Zuschauenden. Jene imposanten Töne wichen nur Sekunden später den gefühlvollen, als DJ Ötzis «Ein Stern» die Halle erfüllte.

«Also, die haben den Vogel abgeschossen», entwich es einem begeisterten Zuseher, um die Darbietung darauf wie die gesamte Menge mit Standing Ovations zu quittieren.

Rockklassiker statt Marschmusik

Jeden Winkel der Arena auszunutzen wusste alsdann die mittlerweile bühnenerprobte Hip-Hop- und Streetdance-Formation «Inzane and Friends». Unter zuckendem Scheinwerferlicht wurde von den Tänzerinnen und Tänzern aufgeführt, was Streetdance seit seinem Ursprung ausmacht: Emotionen, Explosivität und Vitalität. Ein markanter Stilwechsel rückte im Anschluss die «Bag-Pipers» aus Wangen an der Aare in den Fokus der Augenpaare – über 1200 waren es wohlgemerkt. Schottische Hymnen im Gewand von Dudelsäcken und Trommeln liessen einen gedanklich in vom Nebel verschleierte, karge schottische Landschaften verorten, wobei der markante Drum-Major so manchem ein Schmunzeln entlockte.

Konträr zu den gemeinhin dem Militär anhaftenden Eigenheiten vermochte das Rekrutenspiel Aarau mit Spontaneität und Lockerheit zu überraschen. Anstelle von strenger Marschmusik ertönten Rockklassiker und Mambohits aus den Instrumenten. Dem Ursprung nach ebenfalls militärisch sind die Trommeln des Tambourenvereins Langenthal, der nachfolgend den Spielraum dieses Instruments vollständig auszuschöpfen wusste. Synchronität, die jegliche Eintönigkeit ausschloss, wechselte sich ab mit spielerischen Elementen.

Imposantes Finale

Nach zwei Stunden fanden sich im imposanten Finale alle 370 Künstlerinnen und Künstler in der Arena zusammen. Verschiedenste Stilrichtungen und damit einhergehend scheinbar Unvereinbares traten einmal mehr als ineinander verschmolzene und aufeinander abgestimmte Einheit in Erscheinung. Mit dem Verstummen der Musik, dem Rückzug der Scheinwerfer und dem Erhellen der Halle ertönte erneutes Stimmengemurmel. Nunmehr drehten sich die Gespräche um das gerade Mit-
erlebte.

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